"Wiehnachten an Diek"
Von früher zu heute…
Wann:
immer am 2. Advent
Wo:
Multifunktionsplatz Kollmar
Die Wiehnachten an´n Diek – ein Stück kulturelles Erbe
Wie es einmal war
Könnt ihr euch noch an unseren kleinen Kirchmess in Kollmar mit den wenigen Schaustellern und unserem historischen Karussell erinnern, an dem wir immer versucht hatten, während der Fahrt den Stift aus der Birne zu ziehen, um damit die nächste Freifahrt bekommen zu können?
Genau hier liegen die ursprünglichen Wurzeln des Kollmaraner Weihnachtsmarktes. Genauer gesagt lag die Geburtsstunde damals darin, den Kirchmess mit Flohmarktständen etwas aufzupeppen. Die Initiative dafür hatte das DRK Kollmar übernommen und mit vielen Flohmarktständen gelang es, Kirchmess in Kollmar wieder etwas Interessanter zu machen.
Leider wurden die Schausteller nach und nach weniger und übrig blieb dann irgendwann nur noch der Flohmarkt. Viele Jahre zog das DRK Kollmar damals die Organisation für den Flohmarkt durch, ehe die behördlichen Auflagen höher und die Flohmarkstände weniger wurden. Die Organisation für einen Flohmarkt in Kollmar musste letztendlich eingestellt werden. Das war 1995, die Geburtsstunde des Kollmaraner Weihnachtsmarktes.
Um den Menschen in Kollmar weiterhin ein Zusammenkommen zu ermöglichen, beschloss das DRK Kollmar auf dem Wendeplatz in Kollmar am 1. Advent einen Weihnachtsmarkt zu organisieren. Unter freiem Himmel und bei Wind und Wetter sehr anfällig, mit Gottesdienst und musikalisch unterstützt durch die Liedertafel Kollmar, später in Kombination mit der Grundschule Kollmar.
Der Verkauf von Waffeln, Pfütten und Kaffee diente dazu, um anfallende Kosten abzudecken. Ein Überschuss wurde für den guten Zweck an verschiedene Projekte gespendet. Größere Spenden kamen auch aus dem Verkauf durch Punsch, Suppe und Kartoffelpuffer von Familie Dombrowski. Auch die Aussteller beteiligten sich an einer Spende alternativ für eine Standgebühr.
Lange fand der Weihnachtsmarkt auf dem Parkplatz statt. Die Anfälligkeit bei Wind und Wetter machte den Ausstellern stark zu schaffen und schreckte viele Besucher ab. Eine neue Option ergab sich.
2014 zog der Weihnachtsmarkt in die Reithalle Zimmer um, somit war er geschützter und nicht mehr Wind und Wetter abhängig. Aber auch hier wurden die Auflagen mit der Zeit strenger und die Aussteller anspruchsvoller. Ein sandiger Boden und die hohe Luftfeuchtigkeit in der Reithalle stellte eine große Herausforderung dar und erschien nicht ideal. Die Vielfältigkeit wurde weniger und heimische Aussteller nahmen nur noch teil, weil sie sich verpflichtet fühlten. Herausfordernd war auch der Weg zur Halle, der bei einsetzender Dunkelheit und regnerischen Wetter recht unangenehm und nicht selten mit nassen Füßen endete. Auch der Weg zu sanitären Einrichtungen war immer wieder eine Herausforderung. Nur wenige Besucher verweilten auf den Weihnachtsmarkt.
25 Jahre wurde der Weihnachtsmarkt durch das DRK Kollmar organisiert, ehe 2020 die Corona Pandemie erst für eine Unterbrechung und letztendlich für ein Ende sorgte.
In dieser Zeit wurden viele großartige Projekte mit durchschnittlich ca. 400€ unterstützt:
Projekte im Überblick
- 1995 Kirchengemeinde Kollmar Neuendorf -> Neue Orgel
- 1996 Kindergarten Kollmar
- 1997 Förderverein Sporthalle Kollmar
- 1998 Strandkindergarten Kollmar und Elterninitiative Schulhofgestaltung
- 1999 Förderverein Grundschule Kollmar und Elterninitiative „Betreute Grundschule“
- 2000 Förderverein Grundschule Kollmar und Für Kollmar e.V.
- 2001 Förderverein Grundschule Kollmar und DRK Kollmar
- 2002 Jugendbereich „Stall Elbkate“ und SG Kollmar Neuendorf Handballminis
- 2003 Jugendbereich WSVK und TSV Kollmar Fußball Jugendminis
- 2004 Gemeinde Kollmar Spielgerät am Piratenspielplatz
- 2005 Förderverein Grundschule Kollmar
- 2006 Förderverein Sporthalle Kollmar
- 2007 Kirchengemeinde Kollmar Neuendorf -> Kinderkirche
- 2008 Gemeinde Kollmar Spielgerät für den Piratenspielplatz am Hafen
- 2009 Theatergruppe Gesangsverein
- 2010 Kindergarten Kollmar
- 2012 Jannes Struve -> Delphin Therapie
- 2013 Förderverein Grundschule Kollmar
- 2014 DRK Kollmar -> Zuschuss Schwimmunterricht für Flüchtlingskinder
- 2015 Fördervereine Grundschule Kollmar und Kindergarten „De Strandlöper”
- 2016 Gemeinde Kollmar Spielgerät für den Piratenspielplatz am Hafen
- 2017 Gemeinde Kollmar Spielgerät für den Piratenspielplatz am Hafen
- 2018 Förderverein Grundschule Kollmar und Gemeinde Kollmar für Schwimmunterricht
- 2019 Gemeinde Kollmar Spielgerät am Piratenspielplatz und DRK Kollmar
Neustart
Mit der Pandemie verjüngte sich der DRK-Vorstand. Viele neue Herausforderungen kamen und ein Neustart des Weihnachtsmarktes war wie einst nicht mehr umsetzbar. Jahrzehntelang prägte der Weihnachtsmarkt die Gemeinde und schnell stand fest: der Weihnachtsmarkt gehört in unsere Gemeinde. Ein kulturelles Erbe, welches bewahrt bleiben muss.
Im zweiten Coronajahr 2021 nahmen sich ein paar Kollmaraner vor, den Weihnachtsmarkt am 2. Advent zu reaktivieren. Was fehlte war ein Veranstalter und einen Veranstaltungsort. Fündig wurde das Team im Bielenberg auf dem ehemaligen Hof der Familie Thormälen, heute bekannt unter dem Namen „Gut Bielenberg“. Unter hohen Corona Auflagen wurde der „Adventszauber“ organisiert. Im Folgejahr wurden die Corona Auflagen etwas gelockert. Der Ansturm war so enorm, dass es zu starken Verkehrsproblemen kam und eine Wiederholung als ausgeschlossen galt. Ein weiteres Mal stand der Weihnachtsmarkt vor dem Aus.
Der Kontakt zu den Ausstellern konnte gehalten werden und aus einem freundschaftlichen Verhältnis wurde der Ehrgeiz geweckt, die Organisation eines Weihnachtsmarktes aufrecht zu halten. Somit wagte sich 2023 eine private Gruppe engagierter Bürger einen neuen Weg zu gehen, um den Weihnachtsmarkt in Kollmar weiterhin für Menschen aus der Gemeinde und dem nahen Umfeld stattfinden zu lassen und somit das kulturelle Erbe aufrecht halten zu können.
Im selben Jahr stieg der gemeinnützige Verein WIR.Zusammen für Kollmar Neuendorf e.V. mit in dieses Projekt ein und unterstützte bei der Organisation. Neue Herausforderungen brauchten neue Ideen. Geeignete Standorte mussten her. So kamen nicht nur Ideen in der Gemeinde Kollmar auf, sondern auch in der Gemeinde Neuendorf.
Ob historisches Gebäude, die etwas rustikaler Scheune oder Diele, das schlichtere Gemeindehaus oder die Sporthalle. Alle Standorte einten dieselben Fragen: Verkehrsanbindung, Parkmöglichkeiten, Sanitäre Anlagen und natürlich die nutzbare Fläche.
Bestens geeignet erschien die Sporthalle in Kollmar. Ein Vorgespräch mit dem TSV Kollmar folgte. Einzige Auflage, der Hallenboden musste geschont werden. Für die Sporthalle ist der Schulverband zuständig, auch hier wurde angefragt. Mit ausgeklügeltem Konzept und Ideen für einen Bodenschutz folgte eine Zusage des Schulverbandes. In die Planung konnte nun tiefer eingestiegen werden. Wenige Wochen nach der Zusage wurde diese Zusage revidiert, auf die Sporthalle konnte somit nicht mehr zugegriffen werden.
Nach einem Gespräch mit der Gemeinde Kollmar wurde die neue Parkplatzerweiterung angeboten. Einziger Knackpunkte: Ungefähr sieben Monate vor dem Veranstaltungsstart hatten die Bauarbeiten für die Parkplatzerweiterung noch nicht gestartet.
Die Gemeinde Kollmar versicherte, dass die Fläche rechtzeitig fertig werden würde. Einen Plan „B“ bei Nichtfertigstellung der Parkplatzerweiterung gab es nicht. Der vorgelagerte Wendeplatz stand nicht zur Verfügung und die Fläche am Hafen war nicht geeignet. Die Geschehnisse rund um die Bauarbeiten wurden gespannt beobachtet. Der Weihnachtsmarkt in Kollmar stand nun wieder am Beginn seines Ursprungs und ist Wind und Wetter abhängig.
Von der Idee bis heute
Ein neues Konzept musste her. Vielfältigkeit und ein gemütliches Beisammensein standen im Vordergrund. Gedacht als Gemeinschaft, mit Vereinen und vielen ehrenamtlichen Helfern für Menschen aus unseren Gemeinden. Viele Ideen brachten viele Herausforderungen. Schnell stand fest, eine Umsetzung kann nur mit Zelten erfolgen. Ein Start mit Mietzelten ohne finanzielle Mittel birgte Risiken, insbesondere für eine Vereinskasse. Nur durch Bürgschaften und finanzieller Unterstützung der Gemeinde Kollmar konnte dieses Konzept abgesichert werden.
Anfangs mit einem Großraumzelt geplant, musste auch dieses verworfen werden. Zum einen waren die behördlichen Auflagen zu groß und zum anderen durften auf der neuen Parkplatzerweiterung keine Bodenanker gesetzt werden. Somit gingen die Planungen mit kleineren, genehmigungsfeien Zelten weiter. Nur, wie sichern gegen Wind, wenn doch nichts verankert werden durfte? 18 Betonklötze der Zeltvermieter sprengten den finanziellen Rahmen. 18 IBC-Container müssten aufwendig beschafft und befüllt werden. Eine Befüllung mit Frischwasser über unsere Feuerwehr wäre möglich gewesen, müsste allerdings beim Wasserverband angemeldet und abgerechnet werden. Finanziell war das nicht umsetzbar.
Was also tun, wenn noch keine finanzielle Mittel vorlagen? Die Lösung: 18 Siloballen platziert auf Europaletten sorgten für eine Sturmsicherung der Mietzelte. Zusätzlich konnte mit Fördermitteln ein eigenes Vereinszelt angeschafft werden, um wiederkehrende Ausgaben reduzieren zu können. Dieses kommt nun regelmäßig zum Einsatz. So gelang es, mit 26 Ausstellern die Wiehnachten an´n Diek zu starten.
Im ersten Jahr kamen neben dem neuen Vereinszelt zwei Mietzelte für die Aussteller, ein kleineres Mannschaftszelt vom Kreisjugendring für den Waffel- und Kuchenverkauf, sowie ein kleineres Zelt der Liedertafel Kollmar als Klönschnackzelt zum Einsatz. Dabei stellte sich schnell heraus, dass das Klönschschnackzelt zu klein ist, insbesondere für den Gottesdienst. Das Wetter spielte mit und die Wiehnachten an`n Diek wurden von vielen Menschen aus den Gemeinden besucht.
Im zweiten Jahr wurde am Aufbau experimentiert und erstmalig die gesamte Parkfläche genutzt. Das kleinste eingesetzte Zelt aus dem Vorjahr wurde gegen ein größeres Mannschaftszelt vom Kreisjugendring ausgetauscht, somit kamen hiervon zwei zum Einsatz. Diese Umstrukturierung ermöglichte den Einsatz eines Kinderzelt. Märchenstunden, Schminken und weiteren Beschäftigungen konnten angeboten werden. Sehr zum Nachteil für das eingesetzte Material zeigten erstmalig starker Wind und Regen ihre Grenzen auf.
Für das dritte Jahr wurden die Wiehnachten an´n Diek weiterentwickelt. Der Aufbau ein wenig verkleinert. Die beiden Mannschaftszelte aus dem Vorjahr gegen zwei weitere Mietzelte ersetzt und das Konzept weiter gefestigt.
Und heute? Heute kommen fünf größere Zelte zum Einsatz. Darunter ein Klönschnackzelt zum Verweilen mit leckeren Kuchen, Torten, Kaffee und Kakao und mit dem Zeltgottesdienst. Ein Kinderzelt mit buntem Programm ist fester Bestandteil geworden. Zudem finden 26 Aussteller einen trockenen Platz und die Vielfältigkeit kann aufrecht gehalten werden. Darunter Vereine, ein Glühweinstand, frisches vom Grill, Foodtrucks, leckere Süßigkeiten sowie ein Tannenbaumverkauf mit Lieferservice. Der Einsatz von Holzschredder, der Kollmaraner Märchenfiguren und weihnachtliche Dekorationen runden das Gesamtpaket ab. Zusätzlich werden den Besuchern moderne Sanitäranlagen zur Verfügung gestellt. Der gesamte Erlös aus Standgebühren und dem Kuchenstand werden für die Wiehnachten an´n Diek verwendet.
Die Wiehnachten an´n Diek möchten wir für Menschen aus den Gemeinden viele weitere Jahre organisieren. Für die Umsetzung sind Zeltpaten und Spenden erforderlich.
Unterstützt wird dieses Projekt von der Kirchengemeinde Kollmar-Neuendorf mit einem Zeltgottesdienst und als Zeltpate, der SG Kollmar-Neuendorf mit einem Grillstand und als Zeltpate, dem TSV Kollmar e.V. mit Unterhaltungsprogramm für die Kids, dem Förderverein Grundschule Kollmar e.V. mit einem Verkaufsstand, dem Wassersportverein Kollmar e.V. mit einem Gastrostand und als Zeltpate, der Theatergruppe Kollmar e.V. als Zeltpate sowie dem Verein WIR.Zusammen für Kollmar Neuendorf e.V. mit dem Klönschnackzelt, als Zeltpate, mit Unterhaltungsprogramm für die Kids und als Organisator.
Verfasst von M. Zimmer und C. Springer
